Notruf für die Seele:
0 732 719 719
Rat & Hilfe in psychischen und sozialen Krisen sowie schwierigen Situationen.
Mit Beratung, Begleitung und Krisenzimmer,
rund um die Uhr erreichbar.
Eine Reportage
mit StimmenhörerInnen
aus Wien und Linz
Peer-Coaches

v.l.n.r.: Michael Jansky, Ulrike Plank, Hans Nussbaumer, Hava Karaca
PEERS stellen sich vor

Michael Jansky
ist 30 Jahre alt und Peer Coach. Nachdem er seine eigene psychische Lebenskrise überwunden hat, betreut er als Betroffener und gleichrangiger Berater andere Menschen mit psychischen Problemen.
Er und vier andere Peers sind beim Verein EXIT-sozial beschäftigt. Alle haben einen Lehrgang abgeschlossen.
Der Erfahrungsschatz von Michael Jansky ist etwas ganz Besonderes. Er hat leidvolle Erfahrungen mit psychischen Problemen und Krisen gemacht. Die hat er im Laufe der Jahre gemeistert und gibt sie als "gleichrangiger Berater" an andere Psychiatriebetroffene weiter. Seine Tätigkeit als "Peer Coach", wie es im englischen heißt, bedeutet für die Klienten, die er begleitet, eine wertvolle Hilfe.
So zum Beispiel für Gerlinde B., eine Bewohnerin einer betreuten Wohngemeinschaft. Michael Jansky kennt sie schon länger. Beim letzten Anruf hat er erfahren, dass Gerlinde ihre Medikamente abgesetzt hat. Aus eigenem Erleben weiß er, dass man dann als Patient nach einiger Zeit aggressiv werden kann. Bei einem Besuch schlägt Jansky Frau B. vor, einen ausgedehnten Spaziergang in einen Wald zu machen. Hier kann sie einmal kräftig schreien und ihre Wut rauslassen.
"Das hat mir auch schon öfter geholfen, Sport und Bewegung sind eine gute Unterstützung, ich selbst habe mit dem Tanzen begonnen", sagt der 30jährige Gallneukirchner.
Wie verläuft ein typisches Treffen mit Klienten? "In meiner Arbeit geht es gar nicht so oft darum, viel zu sprechen, manchmal reicht es auch, zuzuhören. Die Klienten sind sehr unterschiedlich. Manche freuen sich, wenn sie wieder mal Besuch bekommen, andere wollen mit mir ihre Probleme besprechen. Ich höre zu und gebe auch Ratschläge."

Sein zweiter Besuch in dieser Woche führt ihn in einen Wohnhof. Heute ist kein bestimmter Termin ausgemacht, sondern Jansky schaut im Aufenthaltsraum nach, wer da ist und wer seine Gesprächsbegleitung in Anspruch nehmen möchte. Herr F. und seine Freundin wenden sich an ihn. Er ist eifersüchtig wegen eines anderen Bewohners, da tut es gut, wenn ein Aussenstehender den Streit schlichten kann. Im längeren Gespräch entwickeln die drei gemeinsam einen Lösungsweg.
Zu den fixen Terminen gehört auch, Psychiatriebetroffene auf Ausflügen zu begleiten, mit ihnen Amtswege zu erledigen oder ihnen bei bürokratischen Problemen zu helfen.
"Zwischenmenschliche Probleme, Liebeskummer und Schulden sind die häufigsten Probleme der Leute, die ich begleite", so Peer-Coach Jansky.
Er selbst hat nach einer Ausbildung als Maschinenschlosser und Jugendbetreuer verschiedene Jobs gehabt, bis 1996 bei ihm psychische Krisen begannen. Einige Aufenthalte im Wagner-Jauregg und langjährige Medikamenteinnahme hat er hinter sich. Heute lebt er ohne Psychopharmaka und schätzt seine Arbeit als Berater. Was macht den Unterschied aus zwischen der Betreuungsarbeit der ProfessionistInnen von EXIT-sozial und der der Peer-Coaches?
Jansky: "Unsere Stärke ist unser Einfühlungsvermögen. Wir kennen viele Probleme, Ängste, Sorgen und Krisen der Klienten. Wir haben zwar in einem Lehrgang auch Methodik und Gesprächsführung gelernt, aber unser Zugang ist doch ein anderer. Zwischen uns und den Klienten gibt es keine vorgegebenen Rollen, wir geben nicht vor, etwas besser zu wissen, sondern wir erleben selbst hin und wieder noch Krisen. Dann dreht sich die Situation sogar manchmal um: ein Betroffener kann uns einmal helfen." Michael Jansky: "Wir betrachten uns nicht als Konkurrenz zu den Sozialarbeitern, sondern unsere Arbeit soll das Spektrum von EXIT-sozial erweitern."
Für seine eigene Zukunft wünscht sich Jansky, dass bei ihm weniger die Medikamente im Vordergrund stehen, sondern die Selbsterfahrung.

Hava Karaca
50 Jahre
Hobbies: Nähen, Lesen, Radfahren, Schwimmen, Arbeit mit Menschen, Reisen
Als Peer möchte ich im Rahmen eines Erfahrungsaustausches anderen dabei helfen, ihre verborgenenen Fähigkeiten wieder zu aktivieren.
Ich selbst habe erfahren, wie schnell es geht, von seinen Ressourcen wegen Druck, Repression oder durch Behandlung abgeschnitten zu werden.
Dabei ist mir so wichtig, an frühere positive Entwicklungen wieder anschließen zu können - trotz alledem was inzwischen passiert sein mag.
Wesentliche Ziele für mich und mein Engagement als Peer sind:

Hans Nussbaumer
Geboren am 8.Juli 1971
Ledig, in Lebensgemeinschaft mit Freundin und ihrem 18-jährigem Sohn
Hobbies: Modellbauen, Autoschrauben
Meine erste Erfahrung mit der Psychiatrie machte ich 1992, inzwischen habe ich mehrere Psychiatrieaufenthalte hinter mir.
Meine Motivation die Ausbildung zum Peer-coach zu machen, war die Erkenntnis, dass es nicht nur den richtigen, sondern viele richtige Wege gibt, es ist nur nötig selbst zu entscheiden!
Als Klient habe ich sehr viele unterschiedliche Einrichtungen kennen gelernt.
Das neue Peer-Team stellt für mich eine neue Aufgabe dar, an der ich sicherlich weiter reifen werde!

Ulrike Plank
Geboren am 26. Mai 1956
Verwitwet seit Jänner 1997
1 Sohn, 27
Hobbies: Spazierengehen, Kino, Schwimmen, Eislaufen
Besondere Fähigkeiten: Interessante und hilfreiche Gespräche führen und gut zuhören können.
Meine Psychiatrie-Erfahrungen bestehen darin, meine Probleme mit Hilfe von Psychotherapie und teilweise medikamentös, aber ohne Krankenhausaufenthalt zu bewältigen.
Bei EXIT-sozial besuchte ich eine Psycho-Drama-Gruppe.
Im November 2003 habe ich mit Hilfe eines Psychologen von EXIT-sozial eine Selbsthilfegruppe für Menschen mit Zwangserkrankungen gegründet. Ende August 2004 entstand wegen der starken Nachfrage eine zweite Gruppe.
Die Motivation, die Peer-Coach-Ausbildung zu machen, bestand darin, die eigene Isolation zu überwinden, neue Menschen kennen zu lernen und mit guten Gesprächen vielleicht helfen zu können.
Martina Haas
Geboren: 14.8.1972
Hobbies: Lesen, Schwimmen, Radfahren
Martina Haas ist seit Februar 2009 als Peer Coach bei EXIT-sozial beschäftigt. Die Welserin arbeitete drei Jahre in einem Altenheim als Pflegehelferin, in einem Berufsschulheim, in der Diakonie und in einer Hauswirtschaftsschule.
1997 zog sie nach Linz in eine betreute Wohngemeinschaft der pro mente. 2001 machte Martina Haas den Hauptschulabschluss nach. Nachdem sie als Pflegehelferin gerne mit Menschen gearbeitet hatte und sich immer Zeit für ein Gespräch genommen hatte, entschloss sie sich, eine Ausbildung zum Peer Coach zu machen. 2008 schloss sie den Kurs ab und begann dann heuer ihre Tätigkeit bei EXIT-sozial.
Zurzeit betreut sie drei KlientInnen. Sie besucht sie zu Hause, geht spazieren, führt Gespräche oder macht gemeinsame Ausflüge. "Ich habe einen guten Draht zu den KlientInnen. Besonders wichtig ist für sie, dass sie mit jemanden sprechen können, der die gleichen Probleme gehabt hat", sagt Martina Haas.

Astrid Braun
Hobbies: Katze Lilly, Naturheilkunde, Latino- und Klassikmusik, Theater, Kino, Impuls-Strömen (Körperarbeit).
Liebt: Freund Friedemann
Geb. 17.6.1966
Die Linzerin Astrid Braun machte 1984 Matura und absolvierte nach einem kurzen Hineinschnuppern ins Psychologiestudium eine Lehre als Speditionskauffrau. Zwei Jahre arbeitete sie als Büroangestellte. 1991 kamen erste Psychiatrieaufenthalte im Wagner-Jauregg. Nachdem sie Berufsunfähigkeit bescheinigt bekommen hatte, arbeitete sie mehrere Jahre in Tagesstruktureinrichtungen der pro mente. 2004 half Astrid Braun als freie Mitarbeiterin bei der Öffentlichkeitsarbeit der pro mente mit. Sie war tätig als Redaktionsmitglied bei STRADA-news und arbeitete bei der Antisuizidkampagne des Landes OÖ mit.
Ebenso ist sie als Mitarbeiterin beim Sozialpsychiatrischen Grundkurs tätig.
"Nach den vielen Jahren im Büro wollte ich eine neue Perspektive, einen neuen Beruf erlernen. Deshalb habe ich 2006 dann die Ausbildung zum Peer Coach gemacht. Seit Juni 2008 bin ich beim Franco Basagliahaus und betreue insgesamt vier KlientInnen als Peer Coach.", sagt Astrid Braun. Meist besucht sie die KlientInnen daheim oder geht spazieren, je nach dem, was gewünscht wird. Sie führt intensive Gespräche und hört viel zu. "Ich versuche, nicht nur Ratschläge zu geben, sondern die KlientInnen sollen selbst ihren Weg finden, ich begleite sie dabei so gut ich kann. Dabei versuche ich, mit Hirn und Herz zu arbeiten", so Astrid Braun.
Bei Interesse an einer Beratung oder Sprechstunde können Sie uns gerne kennenlernen:
Peer Coaches Handy-Nummern:
Braun Astrid | 0664 - 85 33 982 |
Haas Martina | 0664 - 85 33 976 |
Jansky Michael | 0664 - 85 33 981 |
Karaca Hava | 0664 - 85 33 979 |
Nussbaumer Hans | 0664 - 85 33 977 |
Plank Ulrike | 0664 - 85 33 980 |
Kontaktadresse:
Kreuzstraße 4,
Tel. 0732- 711 209
email: exitsozial.peers@gmx.at
Ein neues Thema der Reihe „Direkt“- Broschüren von Betroffenen für Betroffene liegt nun auf. Christian Stafflinger, Redakteur von inzwischen vier Broschüren zu verschiedenen psychosozialen Themen und selbst Betroffener, hat nun einen Text über Peer Coaches verfasst.

Peer-Coach bei Radio OÖ
Michael Jansky, Peer Coach bei EXIT-sozial, gab am 23. März in Radio OÖ ein Interview. In dem Beitrag erzählt er von sich und seiner Arbeit